formstabile Linse

Dieser Linsentyp wird teilweise auch als „harte“ Kontaktlinse bezeichnet. Dies ist historisch bedingt, da die ersten Linsen vor über 100 Jahren aus hartem, un­durch­lässigem Plexiglas-Material (PMMA) gefertigt wurden. Die heutigen Materialien sind flexibler und sauerstoff­durch­lässiger, aber trotzdem noch stabil in ihrer Form. Diese Linse daher als „halbhart“ zu bezeichnen ist eher verwirrend.

Die klassische formstabile Linse wird ca. 1,5-2mm kleiner als der Hornhaut­durch­messer angepasst. Die Linsen schwimmen auf dem Auge, wodurch die Unterspülung mit Tränenfilm besonders gut ist. Die Nährstoffe im Tränen­film und die Sauerstoff­versorgung sind elementar für die Ernährung und Transparenz der Hornhaut (Cornea). Zusätzlich beeinflussen diese Linsen viel weniger den Hornhautrand (Limbus). Dort befinden sich die cornealen Stammzellen, die für die Regeneration (z.B. nach Ver­letz­ungen) äußerst wichtig sind. Die Infektionsgefahr ist mit form­stabilen Linsen deutlich geringer als mit weichen Kontaktlinsen. Keime dringen nicht in die Linsenmatrix ein und verweilen durch den regelmäßigen Tränen­film­austausch nicht lange unter der Linse.

Bei der Korrektur einer Fehlsichtigkeit wird mit formstabilen Linsen oft eine bessere Sehleistung als mit einer Brille erreicht. Besonders bei hohen Hornhaut­ver­krümm­ungen (Astigmatismen) ist mit formstabilen Linsen eine optimale Korrektur möglich. Und speziell bei unregelmäßigen Hornhaut­ver­krümm­ungen (irreguläre Astigmatismen) wie Keratokonus und Keratoplastik (Hornhaut­trans­plantation) sind diese Linsen immer das Korrektionsmittel der ersten Wahl.

Sowohl Handhabung als auch Pflege der stabilen Linsen sind unkompliziert. Der Kosten­aufwand für Pflege­mittel ist geringer als bei weichen Linsen. Eventuelle Ab­lagerungen an der Linsen­oberfläche können entfernt und kleinere Kratzer bei uns vor Ort im Labor sogar auspoliert werden.

Ein Nachteil dieses Linsentyps ist die anfängliche Eingewöhnungszeit: Anfänglich wird der Kontakt des Linsen­randes mit dem Oberlid gespürt. Daher muss in den ersten 2-3 Wochen die Tragezeit nach und nach stundenweise gesteigert werden. Durch die bessere Unterspülung kann schneller ein Staubkorn unter die stabile Kontaktlinse gelangen. Oft wird dieser Fremd­körper sofort durch den Tränenfilm wieder ausgespült. Grundsätzlich ist bei den formstabilen Kontaktlinsen eine optimale Anpassung das wichtigste Kriterium für eine gute Verträglichkeit. Die Krümmung der Kontakt­linsenrück­fläche wird von uns mit einer Genauigkeit von 0,05mm an den Radius der Hornhaut angepasst.